Kein Ruhmesblatt für den Klimaschutz

Schwäbische Zeitung SAMSTAG 1. AUGUST 2020
„Untere Wiesen III“: Diese Bedenken hat Rainer Schick als Vertreter des Landesnaturschutzverbandes
Von Sybille Glatz

Ochsenhausen – Die Aufstellung des Bebauungsplanes für das neue Gewerbegebiet „Untere Wiesen III“ und die damit verbundenen Erweiterungspläne des Labors Dr. Merk sorgen in Ochsenhausen weiterhin für Diskussionen. Auch Rainer Schick, Vorsitzender des örtlichen Kneipp-Vereins und langjähriges Mitglied beim Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), meldet sich zu Wort. Schick hatte als Vertreter des Landesnaturschutzverbandes eine Stellungnahme zum Bebauungsplan abgegeben. Aus Sicht des Umwelt- und Naturschutzes hat er mehrere Bedenken gegen das Bauvorhaben des Labors. Vor allem wegen des besonderen Untergrunds sei die Bebauung des Gebiets „kein Ruhmesblatt für den Klimaschutz in Ochsenhausen“.

Wie bereits berichtet, geht es um eine 4,5 Hektar große Fläche am nördlichen Stadtrand von Ochsenhausen. Für dieses Gebiet hat der Ochsenhauser Gemeinderat in einer Sitzung Anfang Mai einen eigenen Bebauungsplan aufgestellt: „Untere Wiesen III“. Der Bebauungsplan ist zum überwiegenden Teil auf die Erweiterungspläne des Labors Dr. Merk zugeschnitten. Die Firma ist in der Straße „Beim Braunland“ seit Längerem ansässig und möchte dort ihren Standort erweitern.

In den Augen des Naturschutzvertreters ist der Standort für eine Erweiterung schlecht gewählt. „Dabei handelt es sich um ein sogenanntes Anmoorgebiet, das von der Landesanstalt für Umwelt exakt dort kartiert wurde“, sagt Schick. „Moore sind wichtige Speicher für Kohlendioxid. Das gilt auch für Anmoore.“ Die Torfschicht sei dort zwischen vier und 16 Meter dick. Schick rechnet mit einer CO2-Freisetzung in einer Größenordnung von 3000 bis 4500 Tonnen im Falle einer Bebauung und Versiegelung der Fläche. 

Doch die Bebauung würde dem Klima nicht nur im Großen schaden, sagt Schick, sondern auch im Kleinen. „Die Gebäude dürfen laut Bebauungsplan bis zu 25 Meter hoch werden. Durch die hohen Mauern wird die Kaltluftschneise beeinträchtigt. Der Wind kann nicht mehr so leicht ins Tal hineinfahren, er wird durch die Mauern stark gebremst. Dadurch wird das Mikroklima in der Stadt in Mitleidenschaft gezogen.“

Ein weiterer Punkt, der aus Sicht von Schick gegen den Bebauungsplan spricht, ist der Artenschutz. „Es wurden einige seltene Arten gesichtet und zwar sowohl Tiere als auch Pflanzen. Darunter waren die Gelbbauchunke, Eidechsen, Fledermäuse, Streifen mit Binsen und Röhricht.“ Schick kritisiert, dass bereits viele Bäume auf dem Gelände gefällt wurden.

Durch eine weitere Versiegelung des Bodens sieht Schick auch die Hochwassergefahr steigen, die Fläche, die bebaut werden soll, liege zum großen Teil in einem in der Hochwasserkarte ausgewiesenen Hochwassergebiet. „In dem Gebiet gibt es sehr alte Hochwassermarken. Als diese gesetzt wurden, war noch kein Ochsenhauser Seitental verbaut, was sich ja mittlerweile geändert hat. Ein wirksamer Hochwasserschutz in dem Gebiet ,Untere Wiesen’ ist daher nahezu unmöglich.“

Insgesamt sei das Gebiet „ökologisch sehr wertvoll und hochwertig“, sagt Schick. Er betont, dass er Natur- und Umweltschutz nicht gegen wirtschaftliche Interessen oder Arbeitsplätze ausspielen möchte. „Es gibt eine eindeutige Alternative zu ,Untere Wiesen III’ und zwar das Gewerbegebiet Längenmoos.“

Schick fordert die Stadt und die Gemeinderäte auf, „auf das große Ganze zu schauen“. „Klimawandel und Artensterben sind die wahren Themen, darum geht es. Wir verbrauchen im Moment eineinhalb Erden, aber wir haben nur eine Erde“, so Schick. 

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