Boehringer-Laborerweiterung – Hochwasserauswirkungen – Umweltschutz – Klimakrise

Boehringer-Laborerweiterung – Hochwasserauswirkungen – Umweltschutz – Klimakrise

Wie das miteinander zusammenhängt?

Auch dieser Sommer macht es uns allen wieder mehr als deutlich. Die Klimakrise kommt nicht irgendwann, sie ist bereits voll im Gange. Die Katastrophen finden nicht mehr nur fernab auf anderen Kontinenten statt, nein im eigenen Land und jüngst auch in Ochsenhausen. Wenn auch längst nicht so dramatisch, wie aktuell in Rheinland-Pfalz (120-160 Liter regen pro Quadratmeter) und Nordrhein-Westfalen, etliche Bürger vorallem in Reinstetten und Ochsenhausen wurden auch dieses Mal von den Wassermassen teils schwer geschädigt.

Nach drei Hitzesommern mit Wassermangel, erleben wird dieses Jahr das andere Extrem: Zahlreiche Regenfälle mit Niederschlagsmengen an einem Tag, wie sie früher während eines ganzen Monats fielen. Das ist nur ein Vorgeplänkel von dem, was uns noch bevorsteht.

Pro Grad Erwärmung kann die Luft 7% mehr Feuchtigkeit aufnehmen und regnet sie entsprechend wieder ab. Roland Roth schrieb jüngst, dass wir in Oberschwaben bereits eine 2 Grad höhere Lufttemperatur im Jahresmittel messen. Die 1,5 Grad-Grenze, wie sie von der Bundesregierung angestrebt wird, ist damit längst überschritten!

Wir müssen Flächen wieder entsiegeln, Flüssen und Bächen Raum geben.

Der Natur wurde vom Menschen über Jahrzehnte Gewalt angetan und er tut es unablässig weiter!
Wir können jetzt nur noch gemeinschaftlich mithelfen, dass die Erwärmung nicht noch mehr zunimmt und anderseits müssen wir uns auf die Extreme einstellen. Flüsse und Bäche wurden eingeengt, begradigt und Seitenarme beseitigt. Dies muss revidiert werden.

Moore, Anmoore und Feuchtwiesen wirken als CO2- und Wasserspeicher.

Wir müssen Flächen entsiegeln und nicht weiter versiegeln, damit Regenwasser gebremst und (zwischen-)gepuffert wird. Moore, Anmoore und Feuchtwiesen leisten hier eine wertvolle Hilfestellung. Sie wirken zum Einen als CO2-Speicher und zu Andern als Wasserspeicher, vergleichbar einem Schwamm.
Viele davon wurden früher aus Unwissenheit, heute aus Ignoranz und wirtschaftlichem Denken über Jahrzehnte zerstört. Auch hier in Ochsenhausen sollen weitere 30.000 Quadratmeter in Untere Wiesen überbaut und versiegelt werden. Hier handelt es sich um Moorlinsen, Feuchtwiesen und Ausdehnungsgebiet für die Rottum bei Extremwasser (siehe Bilder).
Obwohl das Wissen darüber heute existiert und die Naturschützer mehrfach mit qualifizierten Stellungnahmen davor warnen einen solchen folgenschweren Eingriff zu tätigen, wird es von den Entscheidungsträgern -der Stadt Ochsenhausen auf der einen Seite und der Firma Boehringer auf der anderen Seite – ignoriert! Die Alternative wird vehement verweigert.

Untere Wiesen ist alles andere wie alternativlos. Es gibt besser geeignete Flächen im Gewerbegebiet Längenmoos.

Boehringer kalkuliert evtl. mit Millionengewinnen durch die Produktion von neuartigen Krebsmedikamenten. Die Stadt verspricht sich daraus sprudelnde Steuereinnahmen. Doch um welchen Preis. Wir arbeiten weiter an der Zerstörung unserer Umwelt und damit dem Verlust einer lebenswerten Zukunft, wenn es bei dieser Standortentscheidung bleibt. Alleine die zusätzliche Grundwasserneubildung durch den Wasserpuffer des Moores ist unersetzlich bzw. nicht gegenrechenbar.

Wir müssen aufhören unser gesamtes Handeln nur der Wirtschaft unterzuordnen.

Untere Wiesen liegt in einem HQ 100 Gebiet. Doch mit fortschreitendem Klimawandel verschiebt sich diese Definition. Sogenannte 100-jährige Hochwasser werden wesentlich häufiger auftreten, als diese Bezeichnung aussagt. Beim Bauen in HQ Extrem Hochwassergebieten fallen eventuell hohe Kosten für die Allgemeinheit an. Wer baut freiwillig in Hochwasserflächen und gefährdet eventuell Ober- und Unterlieger?

Immer größere Wassermengen werden immer schneller Richtung Norden fließen und damit auch unsere Reinstetter Mitbürger in Mitleidenschaft gezogen. Das Pufferbecken hat begrenzte Kapazität. Nach Überschreiten gibt es das Wasser unbegrenzt ab! (siehe Bild unten). Auch Reinstetten bildet mit Untere Wiesen eine Schicksalsgemeinschaft. Neue Pufferflächen in der Breite sind nicht zu schaffen, so bleiben nur sehr teure Dämme.

Freitag 9. Juli: HQ Extremflächen überflutet bei mittleren Regenmengen von 60 Liter pro Quadratmeter in 24 (30) Stunden. Was passiert bei 80 oder 120 Liter in 24 Stunden?

Die Hochwassergefahrenkarte der LUBW und die Einstufung der Jährlichkeit wurden von der Realität widerlegt. Diese Karten und Einstufungen wurden zur Bauleitplanung herangezogen. Folglich muss die Hochwassergefahrenkarte wie das ganze Gewässersystem neu eingestuft werden und diese Daten müssen in die neu auszulegende Bauleitplanung einfließen.

Durch Baukörper bzw. Aufschüttungen werden Polderflächen genommen, in denen sich bei extremen Niederschlägen das Wasser ausdehnen kann. Fehlen diese Flächen, kann das Wasser nicht ausweichen und die gleiche Menge muss durch die Beengtheit einem Nadelöhr. Dies geht nur mit höherer Fließgeschwindigkeit oder mit einem Einstau vor dem Hindernis. Die Beschreibung hierfür gibt der Satz von Bernoulli.
Achtung: Höhere Wasserfließgeschwindigkeiten bringen extreme Gefahren mit sich.

Noch ist kein Spatenstich getan und somit nicht zu spät, der Umwelt, dem Klima und den Bürgern was Gutes zu tun!

Prüft ernsthaft die Alternative in Längenmoos!

Die Bilder aus der Eifel mit den vielen Ertrunkenen und die Waldbrände in Kanada, ausgelöst von Temperaturen bis 49 Grad sollten wir im Kopf behalten! Der Mensch vergisst leider viel zu schnell. Ganze Landstriche wurden hier in Deutschland und über dem Atlantik durch die beiden Wetterextreme verwüstet! Die Intervalle für die Wetterextreme werden immer kürzer.

Ein neuer Seitenarm der Rottum fließt Richtung Nahwärme (Freitag 09.07.21)
„Radweg“ im Bereich der Nahwärme und der Büro-Container des Labors (09.07.21)
Rottumwiesen als Wasserpuffer (09.07.21)
Überlauf des Rückhaltedamms nach Erreichen der Kapazität (09.07.21)

Der Pegelauszug der Rottum bei Goppertshofen zeigt die Wasserhöhe eines 100 jährigen Hochwassers. Er wurde mit einem Regen von 60 Liter/qm in 24 h weit gerissen. Kann die Beschriftung stimmen? Bzw. gingen andere historische Daten verloren? Das Hochwasser von 1986 ist nicht verzeichnet.

Die hellblauen Flächen sollten bei einem extremen Hochwasser überflutet sein. Allerdings reichte ein mittlerer länger andauernder Regen von 60 Liter in 24 Stunden dafür aus. Nicht auszumalen was bei z.B. 80 Liter geschieht.

„Natürlich interessiert mich die Zukunft. Ich will schließlich den Rest meines Lebens darin verbringen.“ (Mark Twain)

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